1886 – 2010 „Im Dienste der Wallfahrt“

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Als Grundlage zur Verfassung dieser Chronik dienten mir einerseits die „Quellenangaben“ von Frau Irma Rosenbaum aus dem Jahre 1985 sowie geschichtsträchtige Daten und Informationen aus damaligen Akten und Protokollen.

Wenn man damals das AVE betete und heute noch mit denselben Worten dieses Gebet spricht, so sind die Gedanken der Menschen, ob arm ob reich, ob jung ob alt, gesund oder krank an der Grotte von Massabielle. Dort, an diesem Gnadenort, vereinigt sich alljährlich, seit über 150 Jahren, vom Frühling bis zum Herbst das grosse Heer der Betenden! Sie tragen all ihre Sorgen und Nöte, ihr Bitten und Flehen-, aber auch ihre Dankes- und Segensgebete zu der Muttergottes hin. Mit liebevollem Blick empfängt Sie die grosse Pilgerschar und schenkt allen Ihre mütterliche Zuneigung.

Lourdes – das ist ein Ort, wo sich Himmel und Erde berühren. Wo Abend für Abend tausende von Menschen sich singend und betend zu lichtvollen Prozessionen einfinden. Das ist der Ort, wo die Lippen der Kranken das AVE flüstern und die Hände, durch deren Finger die Perlen des Rosenkranzes gleiten, sich zum Gebet falten. Ja, das ist das eindrückliche lebendige Bild von Lourdes!

Damit kranke, betagte, behinderte oder notleidende Pilger ihre Wallfahrt nach Lourdes als „Quelle der Hoffnung“ erfahren dürfen, sind sie auf Menschen angewiesen, die sie begleiten, unterstützen und pflegen. In diesen freiwilligen Dienst am Kranken stellen sich Mitglieder der Hospitalité (im eigenen Land, wie auch in Lourdes). Was uns zu demütigem Dank verpflichtet. Hilfsbereitschaft ist der verlässlichste Massstab menschlicher Qualität. Helfen heisst dienen und im Dienen liegt der eigentliche Wert unseres Lebens.

Blättern wir nun in den etwas verstaubten Akten zurück, um die Zeitgeschichte der Krankenpflegevereinigung (KPV) an uns vorbei ziehen zu lassen. Laut den wertvollen Hinweisen und Eintragungen unserer ältesten Mitglieder, pilgerten wir Deutschschweizer bereits im Jahre 1886 zum ersten Mal nach Lourdes. Durch das eindrückliche und unvergessliche Ereignis der 100. Lourdeswallfahrt im Jahre 1996, wird die Eintragung der 1. Lourdeswallfahrt (1886) erhärtet unter Berücksichtigung folgender Tatsachen:
• Unterbrüche der Pilgerfahrten während den Kriegsjahren 1. und 2. Weltkrieg
• in früheren Jahren zweimalige Durchführung der Wallfahrtsreisen nach Lourdes

Im Jahre 1886 begleitete Herr Pfarrer Johann Bächtiger die ersten Pilger nach Lourdes. Somit war er (auch nach offizieller Organisation) unser erster Pilgerdirektor.

Folgende Personen standen der Wallfahrt als Pilgerdirektor vor:

1. Pilgerdirektor Pfr. Johannes Bächtiger Iddaburg 1886 - 1922
2. Pilgerdirektor Pfr. Robert Oberholzer Bazenheid 1886 - 1922
3. Pilgerdirektor Pfr. Johannes Büchel Balgach 1937 - 1958
4. Pilgerdirektor Pfr. Emil Gschwend Wangs 1958 - 1972
5. Pilgerdirektor Pfr. Josef Arnold Unterschächen 1973 - 1980
6. Pilgerdirektor Pfr. Anton Ehrler Zürich 1981 - 1999
7. Pilgerdirektor Pfr. Jürg Schmid Aarau 2000 - 2008
8. Pilgerdirektor Pfr. Urs Steiner Zug seit 2009

Die Pilgerdirektoren waren nicht zwingend auch Mitglieder der KPV.

Herr Pfarrer Bächtiger und Herr Louis Ehrli (Vater von Magda Keller-Ehrli, Sarnen) sind die eigentlichen Initianten unserer Lourdeswallfahrt. Die Gesamtorganisation lag von 1907 – 1939 in den Händen von Herrn Louis Ehrli. Auf Grund mehrjähriger beruflicher Tätigkeit in Paris, war Herr Ehrli (auch aus sprachlicher Kompetenz) geradezu prädestiniert für diese Aufgabe.
Er meisterte diese grosse Herausforderung trotz Anfangsschwierigkeiten und den damaligen primitiven Hilfsmitteln. Wie aus den Akten zu entnehmen ist, drängte sich zur reibungslosen Durchführung der Wallfahrten, die Gründung einer „Krankenpflegevereinigung“ auf. Den Vereinsmitgliedern (bestehend aus Krankenpflegern, Krankenschwestern und weiterem Personal) wird die Verpflichtung eines immer wiederkehrenden jährlichen Einsatzes auferlegt.

Die ersten diesbezüglichen Vorbesprechungen fanden im Jahre 1928 in Lourdes statt. Die Gesprächsteilnehmer waren:
• Herr Louis Ehrli
• damaliger Präsident der Hospitalié Notre Dame de Lourdes
• damaliger Bischof von Tarbes/Lourdes Msgr. Schoepfer

Im Jahre 1930 konnte für die deutschsprachigen Schweizer Diözesen: St.Gallen, Basel, Chur und Wallis ein erstes Reglement ausgearbeitet werden.

Dieses Reglement wurde einerseits durch Bischof Georgius Schmid von Grüneck (Bischof von Chur) dem Bischof von Lourdes und andererseits, anlässlich eines Besuches in Rom, durch Herrn Louis Ehrli dem Papst zur Genehmigung unterbreitet. Dadurch ist das Reglement als Grundlage für die Gründungsversammlung offiziell bestätigt worden.

Zur „Geburtsstunde“ – d.h. zur Gründungsversammlung unserer Krankenpflegevereinigung – fand man sich am 4. Mai 1931 im Hotel de Paris in Lourdes ein.

Die religiöse Feier vom 5. Mai 1931 (Spitalkapelle in Lourdes) stand ganz im Zeichen der Mitgliederehrung.

Mit der Ansprache von Herrn Pfarrer J. Schmutz und der Überreichung der ersten 6 Broncé- und 8 Silbermedaillen durch Erzbischof Netzhammer, wurden die Arbeiten und Verdienste der Mitglieder geehrt. Für seine grossen Verdienste ernannte Erzbischof Netzhammer Herrn Louis Ehrli zum Mitglied der Hospitalité von Notre Dame de Lourdes und zum ersten Präsidenten der „Vereinigung des Krankenpflegepersonals vom Deutsch-schweizerischen Pilgerzug“. Herr Louis Ehrli reiste in den Jahren 1931 und 1935 nach Rom und erbat sich den Segen und die Approbation für unsere Vereinigung.

1931 wurde Herr Pfarrer J. Schmutz aus Wünnewil zum ersten Ehrenpräsidenten der neu gegründeten Vereinigung gewählt. Nach dessen Tod (1932), wurde Herr Abt Augustinus Borer von Mariastein am 25.09.1932 (im Herbst des gleichen Jahres) an der Hauptversammlung in Luzern zu seinem Nachfolger ernannt.

Nach dem zweiten Weltkrieg, im Juli 1946, reisten Herr Franz Keller-Ehrli (nun 2. Präsident der Vereinigung und einziges Mitglied der Hospitalité NDL) mit seiner Frau Magda Keller-Ehrli nach Lourdes. Grund ihrer Reise war, die notwendigen Abklärungen zu treffen, um die Wiedereinführung der Lourdeswallfahrten nach dem Krieg (ab 1947) zu ermöglichen. Vertreter der Gesprächsführung waren:
• Bischof von Lourdes
• Hospitalité von Lourdes
• bischöfliche Kanzlei in Lourdes

Bis zum heutigen Tag werden diese Lourdeswallfahrten seither alljährlich, in Ergänzung durch Flugwallfahrten, einmal pro Jahr im Frühling durchgeführt.

Als Präsidenten standen unserer Vereinigung vor:

Herr Louis Ehrli Sarnen 1931 - 1939
Herr Franz Keller-Ehrli Endingen 1940 - 1948
Herr Johann Burger Freienwil 1949 - 1968
Herr Walter Hollenstein Gossau 1968 - 1982
Herr Urs Heinichen Bern 1983 - 1997
Herr Edgar Koller Mosnang 1997 - 2006
Herr Renato Gollino St. Gallen aktueller Präsident seit 2007

Aktuariats-Führung (laut Archiv-Akten):

Frl. Hedy Schilling Wil 1950 - 1962
Frau Berty Bachmann Mels 1963 - 1970
Frau Irma Rosenbaum Rorschach 1971 - 1983
Herr Erwin Renggli Luzern 1984 - 1994
Herr Renato Gollino St. Gallen 1995 - 1998
Frau Anna Helena Cavelti Sagogn 1998 - 2006
Herr Beat Ludwig Untervaz aktueller Aktuar seit 2007

Wie sich die Entwicklungs- und Vereinsgeschichte zeigt, bedurfte es immer wieder Neuausrichtungen, um die entsprechenden Anpassungen vornehmen zu können.

Dank langjähriger und engagierter Vereinsführung sowie Umsichtigkeit und Offenheit für die Erfordernisse der Zeit, präsentiert sich die heutige „Krankenpflegevereinigung interdiözesane Wallfahrt deutsche und rätoromanische Schweiz“ als eine gut strukturierte, angesehene Organisation.

Im Jahre 1993 durften wir ein neues Signet für unsere Vereinigung von unserem, damals 20-jährigen Neumitglied Maria-Katharina Müller, (nach einem Ideenwettbewerb) auf unsere Dienstkleider und natürlich auch auf die neue Vereinsfahne anbringen.

Der besseren Verständlichkeit und des Zusammenhangs wegen ist hier die ganze Organisation kurz erklärt, obwohl diese nicht eigentlich der KPV angehört. Dieses Miteinander ist jedoch Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Durchführung der Wallfahrt. Die Wallfahrt ist in diverse Vereine und Chargen gegliedert:

„Interdiözesane Lourdeswallfahrt Deutsche und Rätoromanische Schweiz“
Dachorganisation und oberste Instanz der Lourdeswallfahrten
31 Mitglieder (Mitgliederzahl variabel) / Pilgerleiter / 7 Ressortleiter
Hauptverantwortlich für einen reibungslosen Ablauf im ärztlichen, pflegerischen, technischen Krankendienst sowie Kirchendienst. Organisatorische Aufgaben, Betreuungsdienste, allgemeine Hilfestellungen, um den Kranken die Wallfahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen.
Krankenpflegevereinigung „Interdiözesane Lourdeswallfahrt Deutsche und Rätoromanische Schweiz“
Zweck laut Statuten: Die KPV betreut während der Wallfahrt die hilfsbedürftigen und gesunden Pilger, welche der Verein „Interdiözesane Lourdeswallfahrt Deutsche und Rätoromanische Schweiz“ nach Lourdes führt
circa 580 Mitglieder (jeglichen Berufstandes)
(Mitgliederzahl Stand HV 2010: 582 Mitglieder) / 7 Vorstandsmitglieder
23 Lourdespilgervereine in der ganzen Schweiz
Kontaktpflege der Kranken
Mitfinanzierung der Wallfahrtskosten Bedürftiger durch Mitgliederbeiträge

Als Informationszeitschrift für alle Organisationen dient das AVE (6 Ausgaben/Jahr). Bis 2008 stand dieses Impressum unter Leitung von Abt Ivo auf der Maur, seither unter der redaktionellen Leitung von Pater Emmanuel Rutz. Auch die Technik wurde auf den neusten Stand gebracht. Mit den zwei Homepages:

http://www.lourdeskpv.ch Krankenpflegevereinigung
http://www.lourdes.ch Homepage der Wallfahrt und Pilgerbüro

hielt die Informatik Einzug und gewährleistet dadurch eine Optimierung in der Vereinsführung und -tätigkeit.

Das Pilgerbüro im Benediktinerkloster St. Otmarsberg in Uznach ist seit 1971 das „Reisebüro“ für Lourdeswallfahrten. Die administrativen Arbeiten werden durch Bruder Bernhard Bisquolm (Leitung) und Frau Hedy Mäder mit grossem Engagement getätigt.

Das Pilgerbüro übernimmt die Verarbeitung der Anmeldungen von gesunden und kranken Pilgern, die Einteilungen auf den Zügen sowie für die Hotels in Lourdes und tätigt den Versand der Unterlagen an die grosse Pilgerschar.

Das Pilgerbüro ist wahrscheinlich das einzige „Reisebüro“ in der Schweiz, welches mit über 2000 Personen „an einem Tag auf Reise“ geht! Für die Wallfahrtsreise nach Lourdes werden Spezialzüge gechartert. Die Nachtzüge führen Liegewagen, 1-2 Sanitäts- sowie je 1 Gepäck- und Aufenthaltswagen. Der Tageszug ist bestückt mit Sitzwagen, je 1 Gepäck- und Aufenthaltswagen.

Die Kranken reisen vorzugsweise mit den Nachtzügen, wo sie durch kompetentes Pflegepersonal liebevoll umsorgt und betreut werden. Die ganze Reise stellt grosse Herausforderungen an Infrastruktur und Personal. Diese Aufgabenstellung bedarf einer minutiösen Planung durch den jeweiligen Zugverantwortlichen. Die Routenplanung ermöglicht es den Pilgern, in der Nähe ihres Wohnortes ein- bzw. aussteigen zu können. Die Wallfahrten werden unter dem Patronat der Bischöfe aus Basel, St.Gallen und Chur durchgeführt. Turnusgemäss ist die Teilnahme an der Wallfahrt durch einen unserer Bischöfe zugesichert.

Damit die priesterliche Begleitung auf den Zügen gewährleistet werden kann und die Eucharistiefeiern, Andachten und Gottesdienste zu erhabenen Höhepunkten für die grosse Pilgerschar werden dürfen, reisen jährlich ebenfalls circa 25 bis 40 Priester sowie 2 bis 3 Krankenseelsorger mit nach Lourdes.

Das Ärzteteam, bestehend aus circa 10 bis 12 Ärzten, unter der aktuellen Leitung von Herrn Dr. Jürg Berchtold, begleitet unsere Kranken während der Wallfahrt, in den Zügen und im Acceuil. Ebenfalls sind sie für das Wohlergehen aller Kranken und Pilger in den Hotels besorgt.

Sr. Cäcilia Allenspach (Nachfolgerin von Sr. Regintrudis Urben 1947-1980) obliegt seit 1981 die Leitung des pflegerischen Krankendienstes. Während der Wallfahrt steht Sie als Pflegeleiterin für die Pflege der Kranken in Lourdes vor. Ebenfalls bewerkstelligt sie mit grossem Engagement die immensen Vorbereitungsarbeiten für eine reibungslose Wallfahrt.

Als technischer Leiter ist Herr Erich Rüst zuständig für den technischen Krankendienst, die Organisation des Personaleinsatzes in Lourdes sowie für die Infrastruktur und das Material. Als Vorgänger von Erich Rüst finden wir in den Akten folgende Persönlichkeiten: Edgar Koller, Hans Mäder, Walter Hollenstein, Johann Burger und Louis Ehrler.

In früheren Zeiten tätigte Frau Irma Rosenbaum die Schreibarbeiten für den technischen und pflegerischen Krankendienst in Lourdes. Heute werden administrative Arbeiten im Büro des Acceuil durch die Mitglieder der KPV erledigt.

Nicht unerwähnt soll unser Kirchenchor bleiben! Dieser wird seit 2005, in Nachfolge von Herrn Otto Julen aus Zermatt, von Schwester Mirjam Oeschger geführt. Der Chor versteht es vorzüglich, den Eucharistiefeiern und Andachten dank ihren musikalischen Gesangseinlagen, einen feierlichen Rahmen zu verleihen.

Höhepunkte unserer Lourdes- und Krankenpflegevereinigungs-Geschichte:

Die wunderbare Heilung von Bruder Leo Schwager (OSB Freiburg/Uznach) am 30. April 1952 in Lourdes ist sicherlich der bekannteste und eindrücklichste Höhepunkt unserer Geschichte. Laut Akten wurde diese als 57. Wunderheilung anerkannt. 1971 erschien das Buch: „Ich wurde in Lourdes geheilt“, (Verfasserin: Ida Lüthold-Minder), welches die Heilung von Bruder Leo Schwager zum Inhalt hat. Eine weitere Heilung durfte Herr Kurt Züllig aus St. Gallen im Jahre 1975 erfahren. Herr Kurt Züllig, wie auch Bruder Leo Schwager sind inzwischen verstorben.

Eine besondere Ehrung wurde Schwester Regingtrudis Urben im Jahre 1981 zu teil. Sie wurde auf Grund ihrer ausserordentlichen Leistung im Dienste der Lourdeswallfahrten mit der päpstlichen Auszeichnung „Bene Merenti“ geehrt.

Stets dürfen an den Hauptversammlungen der KPV Personen für langjährige Mitgliedschaften und ihr grosses Engagement im Dienste der Kranken geehrt werden.

Für den Dienst am kranken Menschen benötigt die Hospitalité Notre Dame de Lourdes stets zusätzliches Personal, welches bereit ist, „Stage“ zu leisten. Es ist unsere Bestrebung, stets wieder Mitglieder aus unserer Vereinigung für diesen besonderen Dienst zu gewinnen.

Hat sich während diesen Vereinsjahren auch manches verändert und gewandelt, so ist die Kernaufgabe unserer Vereinigung doch dieselbe geblieben: gesunde und kranke Pilger nach Lourdes begleiten zu dürfen, um den Segen der Gottesmutter Maria zu erbeten.

Dies ist ein Überblick über 80 Jahre Geschichte unserer Vereinigung sowie über 115 Jahre Lourdes Wallfahrten in der kleinen, viersprachigen Schweiz.

Ich wünsche Euch allen viel Freude beim Lesen unserer bemerkenswerten Vereinsgeschichte und bedanke mich bei allen, die mich bei dieser nicht ganz einfachen Aufgabe mit Rat und Tat unterstützt haben, insbesondere: Sr. Cäcilia Allenspach, Renato Gollino und Jacqueline Rebmann.

Untervaz im Herbst 2010, Beat Ludwig, Aktuar KPV